Andacht zum 2. Sonntag nach Trinitatis

Lesung aus Matthäus 11, 25-30

Zu der Zeit rief Jesus aus:  »Ich preise dich, Vater, Herr über Himmel und Erde, dass du das alles den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast. Ja, Vater, so hast du es gewollt, und dafür preise ich dich. Alles hat mir mein Vater übergeben. Niemand kennt den Sohn, nur der Vater kennt ihn; und auch den Vater kennt niemand, nur der Sohn – und die, denen der Sohn es offenbaren will. Kommt zu mir, alle, die ihr euch plagt und von eurer Last fast erdrückt werdet; ich werde sie euch abnehmen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir, denn ich bin gütig und von Herzen demütig. So werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn das Joch, das ich auferlege, drückt nicht, und die Last, die ich zu tragen gebe, ist leicht.«

Vielen, besonders jüngeren, wird man wohl erst noch erklären müssen, was das überhaupt ist, ein Joch. Aus der Erinnerung an meine schon ferne Kindheit taucht das Bild wieder auf: Das Joch, ein vor die Schulterblätter (heißt das bei Tieren so?) in den Nacken von zumeist zwei Pferden oder Kühen gelegter Holzbalken, an dem dann mit Stricken oder Ketten der zu ziehende Wagen oder eine andere Zuglast, beispielsweise ein Pflug, befestigt wurde. Aber auch ein Tragjoch für Menschen gibt es, an dem etwa zwei schwere Eimer hingen. Auf jeden Fall: Last und die zu deren Beförderung nötige Kraft. Zwei Ebenen spricht das Matthäuswort an: Zum einen die Last, die ich im Namen Jesu auf mich nehmen kann, soll oder darf. Und zum anderen die mehr oder minder zahlreichen Lebenslasten, die schwer (auf meine Schultern) drücken und mir fast die Luft zum Atmen nehmen. Die mich kaputtmachen und fast nicht mehr zu stemmen sind, so buchstäblich nieder-drückend sind sie. Ist ein Joch, das nicht mehr drückt, überhaupt noch ein Joch? Selbstverständlich; denn es besteht schließlich immer die Möglichkeit, dass das Teil wieder seinem ursprünglichen Zweck zugeführt wird. Überraschend jedoch, was Jesus verheißt:  » ... das Joch, das ich auferlege, drückt nicht, und die Last, die ich zu tragen gebe, ist leicht.«  Das bedeutet doch aber, dass alles an unserer Wahrnehmung liegt. Was ich als tonnenschwer empfinde, muss noch lange nicht schwer sein ...

Den Christ*innen der ersten Stunde musste in jedem Fall Trost zugesprochen werden. Sie hatten es nicht einfach, wurden von ihrer Umgebung bestenfalls ignoriert, oft angefeindet, angegriffen oder sogar getötet. Der neue Glaube widersprach so vielem, was man gewohnt war. Allein der Umstand, dass es jetzt nur noch einen Gott geben sollte, war vor allem den römischen Besatzern höchst suspekt; und Jesus an sich war mit seinem Ansatz und Anspruch manchen verdächtig. An ihn zu glauben, ihm sein Vertrauen zu schenken, konnte folglich gefährlich werden. Das wird durchaus nicht verschwiegen. Nein; das Christentum ist kein bequemer Spaziergang am sonnigen Sonntagnachmittag. Diese Religion fordert. Sie fordert uns auch heute noch heraus, uns den Fragen dieser Zeit und Welt gerade von unserer Grundüberzeugung her zu stellen. Das kann durchaus belastend sein, wie wir nicht erst aus den zurückliegenden finsteren Monaten wissen.

Gleichzeitig fremd und doch so erhellend wirkt da der Lobpreis Jesu:  »Ich preise dich, Vater, Herr über Himmel und Erde, dass du das alles den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast.«  Es liegt eine tiefe, andere Weisheit darin, den Geheimnissen des Glaubens nachzuspüren. Wer das tut und zur Erkenntnis gelangt, wird vielleicht tatsächlich so manches, was ihr/ihm widerfährt, ganz neu einordnen können. Und dann wird vieles leicht, was bisher als schwer wahrgenommen wurde. Wieder einmal etwas, was man in dem Sinn leider nicht 'lernen' kann, sondern einfach ausprobieren muss. Und, noch einmal 'leider' oder besser 'Gott sei Dank': Ganz ohne Sorgen und Nöte oder Denksportaufgaben wird es sicher nicht gehen.

Gebet:

Danke, dass in deinem Haus für jede und jeden von uns Platz ist, guter Gott. Bei dir ist das Wesentliche einfach: ein einladend gedeckter Tisch; offene Türen; ein herzliches Willkommen und du als Gastgeber. Deine Einladung möge uns ermuntern, ohne Schwellenangst zu kommen. Wir müssen nur darauf achten, dass du uns zurufst:  "Komm!" Lass uns also deinen Ruf hören, zu dir kommen und bei dir einkehren.

So bitten wir dich für uns alle, dass dein Ruf nicht untergeht in den vielen verwirrenden Stimmen und dass wir das Besondere deiner Einladung neu entdecken. Lass uns den Anker der Hoffnung ergreifen: das Aufatmen für eine Zeitlang; die Sättigung für unsere Seelen; den Trost für heute; den kleinen Schwung für den nächsten Schritt. Gast zu sein bei dir bringt uns von den Rändern in die Mitte. Aufatmen sollen wir, frei sein, Erquickung finden bei dir, der Quelle des Lebens.

Deine umwerfende Freundlichkeit stecke uns an, auf dass wir selbst unsere Türen und Herzen weit öffnen, im Vertrauen auf deinen verbindenden Geist. Deine belebende Gegenwart sei unter uns als Gemeinde spürbar.Herberge, Nest der Zuflucht und einen Hort der Freiheit lass uns sein, freundlich gegenüber Fremden und allen Menschen in Not, in der bunten Vielfalt der Glaubenden und Religionen, im Streben nach einem geschwisterlichen Miteinander für die Würde aller Menschen.

Einladend lass uns sein und offen für Kontakte, in unseren Lebensräumen, privat und im Dienst, inmitten der mitunter unwahrscheinlichen Zufälle unseres Lebens; inmitten aller Zumutungen. Wecke in uns die Bereitschaft, freigiebig zu sein, im Teilen all dessen, was dem Leben und dem Wohl füreinander dient. Schenke uns dazu den Blick für das Wesentliche. Lass uns mithelfen, dass die Welt ein freundlicheres Gesicht bekommt. Gib uns dazu Kraft und erfülle uns mit deinem reichen Segen.  Amen

Dass Sie die helfende Kraft unseres Gottes auch in der kommenden Zeit erfahren mögen, wünscht Ihnen von Herzen Ihr Pfarrer Uli Burkhardt