Meditation zum Sonntag

SONNTAG JUDIKA 29. März 2020
(Gedanken von Pfr. Martin Schulte)
(hier finden Sie den Text als PDF)

 GRUSS

 Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus
- der uns aus der Not und der Macht des Todes rettet - 
und die Liebe Gottes des Vaters
- der uns erschaffen hat und erhalten wird - 
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
- die selbst dann da ist, wenn wir uns nicht begegnen oder berühren dürfen
sei mit uns allen.


Predigttext aus dem Hebräerbrief, Kapitel 13, 12-14

12 So ist auch Jesus außerhalb der Stadt gestorben, um durch sein Blut das Volk von aller Schuld zu reinigen. 13 Also lasst uns zu ihm vor das Lager hinausgehen und die Schande mit ihm teilen.[3] 14 Denn auf der Erde gibt es keine Stadt, in der wir bleiben können. Wir sind unterwegs zu der Stadt, die kommen wird.

1.

„Wir haben hier keine bleibende Stadt.“ So sagt es der Hebräerbrief. Genau das ist die Erfahrung, die momentan unser Leben so tief prägt: Es gibt keinen Ort, der wirklich sicher ist. Man kann in dieser Welt hinschauen, wo man will - ganz gleich, ob in Deutschland oder Italien oder China oder Afrika. Man ist nirgends mehr sicher. Diese Erfahrung kann man nicht mit dem Verstand verarbeiten. Es regieren die Gefühle; es erzittert das Herz.

Dabei hatten wir es uns in dieser Welt doch leidlich gut eingerichtet. Manchmal sehnten wir uns nach mehr Ruhe, nach weniger Hektik. Doch jetzt in der erzwungenen Ruhe spüren wir, wie sehr wir uns auf dieses Leben eingelassen haben.

2. 

Der Hebräerbrief schreibt davon, dass wir eine „zukünftige Stadt“ suchen. Dass wir also auf die Zukunft hin orientiert sind. Und dass es diesen Ort wirklich geben wird, an dem wir uns sicher und aufgehoben fühlen werden. Aber gelingt uns das denn wirklich? Ist es nicht gerade das Kennzeichen dieser Zeit, dass auch die Zukunft „in den Sternen steht“, wie man zu sagen pflegt? Niemand weiß ja, wie lange die Ausgangs Beschränkungen weitergehen werden. Niemand weiß, wann ein Impfstoff gefunden werden wird. Niemand weiß, ob dieses Coronavirus eine einmalige Erscheinung ist, oder ob wir möglicherweise auch künftig ähnliche Epidemien befürchten müssen.

Was kann in dieser Situation wirklich helfen? Vielleicht die Erfahrung, dass man eben nicht allein ist. Gerade darum ist es wichtig, Kontakte aufrechtzuerhalten. Gerade, darum ist es so wichtig, jetzt auch auf die Menschen neben mir zuschauen. Auch dann wenn ich sie nicht mit Handschlag begrüßen oder gar umarmen kann.  

3. 

Im Hebräerbrief wird davon geschrieben, dass Jesus Hinaus vor die Stadt gehen musste. Dieses Wort spielt natürlich auf die Leidensgeschichte und die Passion Jesu an. Aber letztlich geht es darum, dass auch Jesus die Sicherheit des Lebens dahin gegeben hat. Dass er ganz existenziell die Bedrohungen des Lebens erlitten hat - bis hin zum schändlichen Tod.  

Das aber bedeutet nichts anderes, als dass Jesus auch mitten in der Corona Krise neben uns steht. Er bleibt nicht in den Gebäuden und Gedanken Gebäuden von Theologie und Kirche, sondern er steht neben uns im Alltag - mit sicherem Abstand von eineinhalb Metern, mit Mundschutz vielleicht, aber uns ganz innig zugewandt.  

4. 

Der Hebräerbrief lädt Dazu ein, „mit Jesus hinauszugehen vor die Stadt“. Das klingt wie eine ungeheure Zumutung. Sollen wir tatsächlich die Heimatlosigkeit, die Unsicherheit, ja die Lebensbedrohlichkeit „annehmen“? - Vielleicht geht es tatsächlich genau darum, dass wir uns dieser Tatsache stellen;  dass wir es aushalten, dass das Leben zutiefst bedroht ist.  

Wir haben es vielleicht zu lange verdrängt, in die Altenheime und die Krankenhäuser, in die armen Länder dieser Welt mit ihren Dürrekatastrophen und Bürgerkriegen. Wir haben es verdrängt, dass wir uns damit nicht beschäftigen müssen.

5. 

Der Text aus dem Hebräerbrief hat seinen Ort in der Passionszeit. Diese Zeit endet nicht mit dem Kreuz an Karfreitag. Diese Zeit endet mit dem Ostersonntag und der Auferstehung. Hinter aller Bedrohung und Krankheit, hinter aller Angst und allem Tod steht das Leben. Mit dieser tiefen Zuversicht, ja mit diesem Lebens-Mut können wir auch die gegenwärtige Zeit bestehen.

GEBET

Gott, wir fühlen uns heimatlos in diesen Tagen und Wochen. Nirgends fühlen wir uns mehr sicher.  Alles was geklärt schien, alles, was uns Halt gab, gilt nicht mehr. Gegenüber einem Virus, gegenüber der Lebensgefahr, die davon ausgeht, fühlen wir uns so ohnmächtig. Wir spüren, dass alle Versprechungen, alle Ankündigungen, alle Informationen nicht das Herz beruhigen können.

Wir bitten Dich für uns:
Stärke unsere Kräfte des Durchhaltens und Aushaltens. 
Stärke auch unsere Demut gegenüber dem, was nun zu tun und zu lassen ist.
Und vor allem: Stärke in uns die Kraft der Hoffnung.
Wenn auch alles momentan ausweglos erscheinen mag, so verheißt Du uns doch das Leben.
Und es stimmt ja: Mitten in allem Schlimmen gibt es dieses Licht des Lebens und Überlebens
- in China ist das Schlimmste überstanden
- überall auf der Welt kämpfen Ärzte und Pflegekräfte für uns
- mit aller Kraft suchen Forscher nach Ursachen und nach Impfstoffen
- unsere Politiker handeln mit Klarheit und Verantwortung 
- überraschende Hilfsbereitschaft ist an vielen Orten zu spüren
- noch immer können wir die Natur und das Leben erleben und genießen
Lass uns all diese Zeichen des Lebens nicht übersehen; sie geben uns Mut und stärken das Herz.

Wir bitten dich für alle, die erkrankt sind:
Sei bei ihnen und bei den Menschen, die sie pflegen
Sei bei ihnen wenn sie schwerer erkranken; sei bei ihnen auch im Sterben.
Lass uns alle Kräfte mobilisieren, dass so viele wie möglich die Pflege und Hilfe bekommen, die sie brauchen.

Wir bitten dich für alle, die in dieser Zeit Verantwortung tragen:
- für die Politiker, dass sie nüchtern, mit Mut und zugleich mit Fürsorge ihre schweren Entscheidungen treffen
- für die Forscher, dass sie so bald wie möglich Behandlungsmethoden und Impfstoffe finden
- für die Menschen in den Krisenstäben, das sie das rechte Maß an Einschränkungen und Verbote finden mögen

Gott, wir vertrauen darauf, dass Du uns in den Zeiten der Not nahe bist
in Deinem Sohn Jesus Christus, der alle Not erlebt und erlitten hat, bis hin zum Tod.
Amen.

SEGENSWUNSCH

Nena: Wunder geschehen
(
https://www.youtube.com/watch?v=FZXMVlwUSVE)

Auch das Schicksal
und die Angst kommt über Nacht
Ich bin traurig;
gerade hab ich noch gelacht
und an so was schönes gedacht

Auch die Sehnsucht
und das Glück kommt über Nacht
Ich will leben,
auch wenn man dabei Fehler macht
ich hab mir das nicht ausgedacht.

Refrain:
Wunder geschehen,
ich hab's gesehen.
Es gibt so vieles was wir nicht verstehen.
Wunder geschehen,
ich war dabei; wir dürfen nicht nur
alles glauben was wir sehen

Immer weiter
Immer weiter gerade aus;
nicht verzweifeln,
denn da holt dich niemand raus.
Komm steh selber wieder auf!

Refr.: Wunder geschehen,
ich hab's gesehen.
Es gibt so vieles was wir nicht verstehen.
Wunder geschehen,
ich war dabei wir dürfen nicht nur
alles glauben was wir sehen

Was auch passiert,
ich bleibe hier.
Ich geh den ganzen langen Weg mit dir.

Was auch passiert - Wunder geschehen.


"Mir geht die Puste aus"

Eine Andacht als Podcast von Pfarrerin Dr. Tatjana Schnütgen finden Sie hier.


 

SONNTAG LÄTARE, 22. März 2020

Epistel:  2. Korinther 1, 3-7
Gepriesen sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus! Denn er ist ein Vater, der sich erbarmt, und ein Gott, der auf jede erdenkliche Weise tröstet und ermutigt.

In allen unseren Nöten kommt er uns mit Trost und Ermutigung zu Hilfe, und deshalb können wir dann auch anderen Mut machen, die sich ebenfalls in irgendeiner Not befinden: Wir geben ihnen den Trost und die Ermutigung weiter, die wir selbst von Gott bekommen. Genauso nämlich, wie wir in ganz besonderem Maß an den Leiden von Christus teilhaben, erleben wir durch Christus auch Trost und Ermutigung in ganz besonderem Maß. Wenn wir also Nöte durchmachen, geschieht das, damit ihr die mutmachende und rettende Kraft Gottes erlebt. Und wenn wir getröstet und ermutigt werden, bedeutet das auch für euch Trost und Ermutigung; es hilft euch, standhaft die gleichen Leiden zu ertragen wie wir. Deshalb sind wir voll Hoffnung und Zuversicht, wenn wir an euch denken, dennwir wissen: Genauso, wie ihr an den Nöten teilhabt, habt ihr auch an dem Trost und der Ermutigung teil.


Evangelium:  Johannes 12, 20-24

Unter denen, die zum Fest nach Jerusalem hinaufgezogen waren, um anzubeten, befanden sich auch einige Leute nichtjüdischer Herkunft. Sie wandten sich an Philippus, der aus Betsaida in Galiläa stammte, und baten ihn: »Herr, wir möchten gern Jesus kennen lernen.« Philippus ging zu Andreas und teilte ihm das mit, worauf Andreas und Philippus zusammen zu Jesus gingen, um es ihm zu sagen. Jesus gab ihnen zur Antwort:   »Die Zeit ist gekommen, wo der Menschensohn in seiner Herrlichkeit offenbart wird. Ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es ein einzelnes Korn. Wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.«

  • ein friedliches Bild: Getreide, das im Wind wogt: ein helles, leuchtendes Feld bis zum Horizont.
  • ein verstörendes Bild: Dieses eine Korn, das anders ist: herausgehoben; vereinzelt; einsam.
  • ein grausames Bild: Jesus, der mit diesem Bild Gemeinte, wird sterben müssen, um neues Leben zu bringen.
  • ein unverständliches Bild:Warum musste einer sterben für die Schuld der Welt? Hätte der Allmächtige nicht andere Wege finden können?
  • ein tröstliches Bild: Am Ende steht Jesu Auferstehung. Sein Leiden und Sterben wird zum Segen für uns alle.
  • ein zuversichtliches Bild: Seit Jesu erlösender Tat leben wir in der Hoffnung, dass auch wir nicht im Tod bleiben, sondern ewig leben werden!

Gebet
Herr, unser Gott! Wenn wir Angst haben, dann lass uns nicht verzweifeln.
Wenn wir enttäuscht sind, dann lass uns nicht bitter werden.
Wenn wir gefallen sind, dann lass uns nicht liegenbleiben.
Wenn es mit unsern Kräften zu Ende ist, dann lass uns nicht umkommen.

Nein, dann lass uns deine Nähe und deine Liebe spüren.  Amen.
(Karl Barth)