Andacht zum Gründonnerstag

Worte und Gedanken zum Gründonnerstag  (9. April 2020) 

Evangelium:  Johannes 13, 34-35

Jesus sagt: »Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander lieb habt. Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Nachfolgerinnen und Nachfolger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.«

Gedanken, die vom bevorstehenden Abschied Jesu durchzogen sind, übermittelt der Evangelist Johannes. Und natürlich lassen wir sie durch eine Art 'Filter' laufen, weil wir wissen, was sich ereignet hat. Auch das, was noch kommen, was Jesus bevorstehen wird, ist uns bestens vertraut.
Gut, dass die beiden zitierten Verse den Blick noch einmal konzentrieren, auf das Wesentliche richten: Es geht darum, hinter dem schwer zu begreifenden, grausamen Geschehen die Liebe zu sehen, vor allem auch die Liebe, die Jesus uns hinterlassen, in unsere Seelen gepflanzt hat.
Liebe in seinem Sinn ist keine billige Liebelei. Einander annehmen in aller Konsequenz ist gemeint. Dass das gar nicht so einfach ist, den Nächsten zu lieben wie sich selbst, das wissen wir. Sich erst einmal selber anzunehmen und zu mögen, ist mitunter ziemlich schwer, weiß Gott.
Vielleicht helfen die Zeichen dabei, die Jesus in dieser Nacht setzt, Zeichen der Demut und Gemeinschaft. Wer einem anderen die Füße wäscht, macht sich klein, ist ehrlich bescheiden und Macht
-los. Und wer Brot und Wein mit den Seinen teilt, übt herzliche Gastfreundschaft, schenkt Lebens-Notwendiges. Würde die selbstlose Liebe unser Dasein bestimmen, wäre Vieles anders, oder: Besser sogar!? 
Gebet: 
 Von guten Mächten treu und still
umgeben, behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr.
Noch will das alte unsre Herzen quälen, noch drückt uns böser Tage schwere Last.
Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen
das Heil, für das du uns geschaffen hast.
Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern

des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus deiner guten und geliebten Hand.
Doch willst du uns noch einmal Freude schenken

an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
dann wolln wir des Vergangenen gedenken,
und dann gehört dir unser Leben ganz.
Lass warm und hell die Kerzen heute flammen,
die du in unsre Dunkelheit gebracht;
führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.
Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.
Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so lass uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
all deiner Kinder hohen Lobgesang.
Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.
 
Später vertonter Text von Dietrich Bonhoeffer  (* am 4. Februar 1906 in Breslau), dessen Todestag, an den wir gedenkend erinnern, sich am 9. April zum 75. Mal jährt. Aus seinem tiefen Glauben heraus leistete der große evangelische Theologe Widerstand gegen das Naziregime. Am 9. April 1945 wurde er im KZ Flossenbürg hingerichtet. 
Pfr. U. Burkhardt