Andacht zum Sonntag Miserikordias Domini

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GRUSS

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus
- der uns aus der Not und der Macht des Todes rettet - 
und die Liebe Gottes des Vaters
- der uns erschaffen hat und erhalten wird - 
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
- die selbst dann da ist, wenn wir uns nicht begegnen oder berühren dürfen - 
sei mit uns allen.

Meditation: Es ist Zeit zum Widerspruch

  • WENN alle Welt nur noch über ein einziges Thema spricht; und wenn dieses eine Thema nur noch in der einen Weise bewertet und gedacht werden darf, ohne dass einem wütender Protest entgegenschlägt – dann ist es Zeit zu widersprechen.
  • Wenn die Meinung einzelner Fachleute das Handeln einer ganzen Gesellschaft und das Entscheiden jeglicher Politik bestimmt; und wenn diese Meinung sich nicht zu bewähren hat und überprüft wird im Diskurs verschiedener Ansichten – dann ist es Zeit zu widersprechen.
  • WENN Krankenhäuser Kurzarbeit anmelden müssen und Arztpraxen um ihre Existenz bangen; wenn sich Kranke mit einem Herzinfarktrisiko oder einem Schlaganfall aus Angst vor Corona nicht mehr zum Arzt trauen – dann ist es Zeit zu widersprechen.
  • WENN alte Menschen in Pflege- und Altenheimen wie Gefangene in Einzelhaft isoliert werden und nicht einmal von engsten Angehörigen besucht werden können; wenn sie zu all dem nicht ein einziges Mal überhaupt befragt werden – dann ist es Zeit zu widersprechen.
  • WENN die Fundamente unseres Grundgesetzes durch einfache Gesetze und unbefristet außer Kraft gesetzt werden; wenn nicht mehr nach der Verhältnismäßigkeit von Verboten und Einschränkungen gefragt wird – dann ist es Zeit zu widersprechen.

Es wird Zeit, dass wir widersprechen; es wird Zeit, dass wir in guter Weise zu streiten beginnen. Denn das ist Demokratie. Das ist Gemeinschaft. Gerade auch als Kirche und als Gemeinde sind wir vielfältig und unterschiedlich. Auch unterschiedlicher Meinung. Wo alle der selben Meinung sind, läuft etwas falsch.

1. Petrusbrief 2,21b-25

Darum setzt ihr nun euer Vertrauen und eure Hoffnung auf Gott. Ihr habt die rettende Wahrheit im Gehorsam angenommen und dadurch euer Denken und Fühlen gereinigt, um eure Brüder und Schwestern aufrichtig lieben zu können. Hört also nicht auf, einander aus reinem Herzen zu lieben! Ihr seid als neue Menschen wiedergeboren worden, aber diesmal nicht gezeugt durch sterbliche Menschen, sondern durch das Wort Gottes, das lebt und für immer bestehen bleibt. Ihr wisst ja: »Alle Menschen sind vergänglich wie das Gras; mit all ihrer Herrlichkeit ergeht es ihnen wie den Blumen auf der Wiese. Das Gras verdorrt, die Blumen verwelken; aber das Wort des Herrn bleibt für ewig in Kraft.« Und eben dieses Wort ist euch als die Gute Nachricht verkündet worden.

1.
Der Text des Petrusbriefes spricht davon, dass unser Denken und Fühlen gereinigt würde. Doch davon kann in der Zeit von Corona gerade keine Rede sein. Einmal ganz ehrlich gefragt: Ist es wirklich so, dass wir momentan einen ganz klaren Verstand haben? ist es wirklich so, dass wir uns in diesen Zeiten unserer Gefühle sicher sein können? Es scheint eher das Gegenteil der Fall zu sein. Nachrichten und Informationen stürmen über uns herein, und wir wissen gar nicht mehr, was wir denken oder urteilen sollen. Die Gefühle sind einmal von Angst, und dann wieder von unterdrücktem Groll geprägt.

2.
Und wie ist das mit unserem Vertrauen auf Gott, von dem der Petrusbrief ebenfalls spricht? Ist dieses  Vertrauen gerade nicht bis in die Grundfesten erschüttert? Ist unser Blick momentan nicht wie gefangen, und schaut statt auf Gott nur noch auf die Zahlen der Infizierten? Fast könnte man meinen, der Wert der „Gesundheit“ hätte eine Art religiöse Bedeutung bekommen. Der Text des Petrusbriefes widerspricht dem allen diametral: „Alle Menschen sind vergänglich wie das Gras. Das Gras verdorrt, die Blumen verwelken.“

3.
Die immer drängender werdende Frage ist, wem wir in Zukunft wirklich glauben und vertrauen wollen: den Virologen? Oder sollten wir nicht doch ein wenig mehr unser Vertrauen und unsere Hoffnung auf Gott setzen, wie es der Petrusbrief schreibt. Das hat noch lange nichts mit Fatalismus oder Weltfremdheit zu tun. Aber es klärt unser Denken und unser fühlen. Es lehrt uns, dass es nicht nur dieses EINE Thema oder Problem in dieser Welt gibt, sondern dass wir als verantwortungsvolle Christen vor vielen anderen Herausforderungen stehen: Der Klimawandel geht weiter; der Hunger in der Welt besteht weiterhin; Kriege und Bürgerkriege stehen nicht still.

4.
Wenn es uns gelingt, unser Vertrauen und unsere Hoffnung auf Gott zu setzen, dann wird es auch wieder leichter fallen, unsere Schwestern und Brüder zu lieben. Dann werden wir sie nicht mehr als potenzielle Gefahr unserer Gesundheit sehen und ihnen ohne Lächeln und mit angstvollem Blick weiträumig ausweichen. Es gibt eben etwas, das in aller Vergänglichkeit Bestand hat und bestehen bleibt. Der Petrusbrief nennt es das Wort Gottes oder die gute Nachricht. Aber es ist mehr als dieses: Es ist das Vertrauen darauf, dass ist eine höhere Instanz gibt, die das ganze Weltgeschehen in der Hand hält - und uns das Leben und Überleben schenkt. Dieses Ur-Vertrauen wünsche ich uns in diesen Zeiten ganz besonders.

 

 Gott segne uns und behüte uns;
Gott lasse uns sein Antlitz leuchten und sei uns gnädig;
Gott erhebe sein Angesicht auf uns
und gebe uns Frieden.
Amen.

 

DIE GEDANKEN SIND FREI

Konstantin Wecker: Die Gedanken sind frei
https://www.youtube.com/watch?v=cvcTOxXz3gU

Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten?
Sie fliehen vorbei wie nächtliche Schatten.
Kein Mensch kann sie wissen, kein Jäger erschießen,
es bleibet dabei: die Gedanken sind frei, es bleibet dabei: die Gedanken sind frei.

Die Gedanken sind frei, so heißt es schon lange, trotz Knechtschaft und Tyrannei.
Wir waren nicht bange, und konnten im Herzen stets lachen und scherzen
und dachten dabei: die Gedanken sind frei.

Die Gedanken sind frei, doch jetzt hab ich Bedenken.
Es gibt da so mancherlei, damit kann man sie lenken.
Es gibt da so Maschen, da kann man sie waschen,
und schon eins, zwei, drei sind sie nicht mehr ganz so frei.

Die Gedanken sind frei, so frei wie die Presse.
Und denkst du, dass es anders sei, dann gibt´s auf die Fresse.
Sie wollen dich lenken, dein Wissen und Denken,
und vielleicht schon im nächsten Mai kommt die Gedankenpolizei.
Und vielleicht schon im nächsten Mai kommt die Gedankenpolizei.

Denn ob CI- oder NSA, sie liegen auf der Lauer.
If You don´t go the right way, ja da werden sie sauer.
Sie bringen sie zum Schwanken, deine eigenen Gedanken,
und du glaubst so nebenbei, die Gedanken wären frei.

Die Gedanken sind frei, solang sie nicht stören,
doch auf Verderb und Gedeih weißt du, wem sie gehören.
Monsanto und Banken und den Öllieferanten,
den Algorithmen von Google, besser gib dir die Kugel,
dann ist alles vorbei - die Gedanken waren frei.

Dann ist alles vorbei - die Gedanken waren frei.